Ein Buch, gefüllt mit Schönem

Manchmal bin ich so eingebunden in all die kleinen und großen Herausforderungen des Alltags und so beschäftigt damit, alles wenigstens einigermaßen befriedigend zu bewältigen, dass mein Fokus folgerichtig auf den Mangel ausgerichtet bleibt; auf das, was noch fehlt. Tausende von Dingen wollen jeden Tag erledigt sein (gefühlt jedenfalls) und jedes einzelne möglichst mit Einfallsreichtum und aber auch Leichtigkeit.
Unter keinen Umständen darf auch nur eins davon halbherzig oder gar überhaupt nicht angepackt werden. Und während hohe Ansprüche sich in mir häufen, sind die Haufen im Außen recht reeller Natur: Wäsche, unbeantwortete Briefe, die eine oder andere Rechnung, Freunde, bei denen ich mich mal wieder melden wollte… Und ganz hinten im Kopf noch all die kleinen Dinge, die ich für mich tun möchte, weil ich sie eigentlich dringend brauche oder einfach weil ich schon soo lange nicht dazu gekommen bin.

Und plötzlich passiert etwas so auffällig Lächerliches (oder Wundervolles oder Witziges), dass ich genauso plötzlich ‚wach‘ bin. Mich wiederfinde in meiner Gegenwart, im vielbesungenen ‚Augenblick‘. Und ich halte inne und betrachte meine Umgebung. Fühle mich mal, sehe die vielhundert Details und Winzigkeiten um mich herum, die ich sonst selten bewusst wahrnehme.
Und da wird mir bewusst, dass ich etwas vergessen habe. Und nein – nicht etwa den Müll runterzubringen oder die Waschmaschine einzuschalten…
Ich habe vergessen, ab und zu anzuhalten und zu würdigen, was erfolgreich verlaufen oder immerhin erledigt ist. Vergessen, mich im selben Maße über die vielen kleinen und großen Erfolge zu freuen, die ich täglich schaffe, wie ich mich über Fehlendes ärgere.

Also habe ich mir angewöhnt, regelmäßig innezuhalten und zu schauen: wie habe ich die letzte Stunde verbracht, worüber konnte ich mich freuen? Habe ich mich gefreut? Oder habe ich es erneut nur abgeschlossen und zur Seite gelegt, um nahtlos zum Nächsten überzugehen?
Um mir dies einfach(er) zu machen, schreibe ich mittlerweile jeden Tag etwas (mindestens einwas, gerne auch zehnwas) auf, das mir besonders gut gelungen ist. Oder das mir Freude bereitet hat, über das ich lachen musste, das ich nochmal machen möchte, solche Sachen. Dazu wartet jederzeit ein aufgeschlagenes Buch an für mich zugänglicher Stelle, nebst schreibbereitem Stift; so kann ich schnell mal etwas notieren, dass mir später vielleicht entfallen wäre.

Was mir auffällt: Inzwischen ist es für mich schon fast zur festen Gewohnheit geworden, Freudvolles wahrzunehmen und zu würdigen; und wenn ich mich über etwas ärgere, muss ich oft schon währenddessen über mich schmunzeln – so nach dem Motto ‚fast wäre ich wieder reingefallen‘. Hereingefallen in ein altes Muster; in meine frühere Angewohnheit, eher schnell ein vernichtendes Urteil über die Situation zu fällen und – genau: mich zu ärgern.
Und wenn ich einen dieser Tage habe, wo alles schiefzugehen scheint und nicht nur der Himmel grau und trübe ist, habe ich mein Buch. Darin blättere ich dann und es muntert mich recht zuverlässig wieder auf, all die positiven Einträge zu lesen. Ich erinnere mich dadurch so viel leichter daran, dass der Alltag mit Spaß (oder wenigstens Gelassenheit) nicht mehr so eintönig oder überwältigend aussieht. Ich kann vielmehr sogar ungeliebten Aufgaben mit umso frischerer Motivation begegnen, wenn ich meine Aufmerksamkeit mehr auf die amüsanten Details richte als auf die erschöpfenden Aspekte, die das Ganze für mich hat.
(Manchmal ist es nötig, eine ganze Seite zu füllen; öfter aber sind es nur ein paar Worte, eine Zeile… Eine kurze Anmerkung, die ausreicht, um mich später an das damit verknüpfte Gefühl zu erinnern).

Und weil ich gemerkt habe, dass ich so manches Mal noch Schwierigkeiten habe, mir überhaupt etwas Schönes zum Aufschreiben einfallen zu lassen (an übertrieben trüben Tagen zum Beispiel), benutze ich ein besonders hübsches Buch für meine freudvollen Momente und klebe hier und da Kleinigkeiten hinein… Eine getrocknete Blüte von einem Spaziergang mit einem lieben Freund, eine zärtliche Notiz vom geliebten Mann, eine Eintrittskarte, eine wirklich ausnehmend wundervolle Geburtstags- (oder Dankes- oder Gute-Besserung-Karte) oder einen zauberhaften Urlaubsgruß.
Mein Buch ist gleichzeitig mein Kalender und Terminplaner, also stehen in ihm auch Geburtstage von Familie und Freunden, und meine persönlichen Einträge kommen in die jeweiligen Tage hinein.
Die Geburtstage von Freunden sowie andere mir sehr ans Herz gewachsene Tage verziere ich zudem freizügig mit Herzen, Blümchen, Sternen und Ähnlichem. Auch das hilft, an emotional bedürftigen oder aufreibenden Tagen meine Stimmung aufzuhellen. Ich muss unwillkürlich lächeln, wenn ich auf solche Seiten blättere und gehe anschließend gleich milder und großzügiger mit mir um.

Über mehrere Wochen (aus)geübt, kann diese Praxis einen Zugang zur Achtsamkeit im Alltag bieten und helfen, endlich tatsächlich die Freude an den ‚kleinen Dingen‘ (von denen überall die Rede ist) zu wecken – oder ins Bewusstsein zu bringen. Selbst wenn ich in zwei Wochen ‚nur‘ drei erfreuliche Notizen niederzuschreiben schaffe, komme ich beim Blättern doch unweigerlich zu dem Schluss, dass mein Leben nicht nur aus Unerwünschtem besteht. Dass ich mitbestimme, ob und wieviel ich mich freue und dass es in meiner Macht liegt, es öfter zu tun.
Und so ein Buch von vor zwei Jahren im Schrank zu finden und beim Durchblättern dieses sentimentale Gefühl von ‚ach stimmt ja, das hatte ich ganz vergessen‘, dass eine ganz eigene Art von Lächeln auf mein Gesicht zaubert, das ist was sehr Feines!

Alltagswunder
Selbstgemachtes Alltagswunder

(Ärgern darf ich mich übrigens durchaus immernoch, fühle mich aber dem gegenüber jedoch nicht mehr hilflos und werfe es mir nicht mehr vor. Ich erlaube mir, mich zu ärgern und dann mache ich mir einen Überblick darüber, was ich tun kann. Um aus der Welt zu schaffen, was mich ärgert oder auch um vielleicht eine Perspektive einzunehmen, die den Ärger unnötig macht. Ganz manchmal kann ich einfach weggehen, so gut wie immer aber findet sich innerhalb des Geschehens eine zumindest halbwegs geschmeidige Lösung.)

Ich bin (Lebens)Künstlerin, zweifache Mama, im Herzen noch Kind, ewig-optimistische Traumtänzerin sowie emphatische Beraterin in verschiedensten Lebenslagen, und das alles im zauberhaften Leipzig.
Das Leben fasziniert mich maßlos, bis ins kleinste Detail möchte ich es (er)leben, es kosten und auskosten, es intensiv ergründen. Immer interessiert mich brennend, wie die Dinge zusammenhängen, und welchen Einfluss ich selbst auf bestimmte Situationen habe.
Neuem gegenüber stets offen, begeistern mich oft selbst die unscheinbarsten Kleinigkeiten.
Und weil sich (mit)freuen – und manchmal –wundern – soo schön ist, schreibe ich Erlebtes und Gefundenes in diesem freundlichen Blog nieder.
Möge die geneigte Leserschaft ihr helles Vergnügen daran haben!

  1. mönchen

    Ausgesprochen lesenswert zur Ermutigung, Kurzweil, sich selbst wieder findend.
    Mach weiter so, ist druckreif!
    Dein fassettenreicher Reichtum in deinen Inneren, deine zauberhafte Art, wie du dich ausdrückst, empfindest und wertest, ist absolut sehr besonders für mich! Du bist eines von den ganz besonderen Königskindern,
    Halte deine Kostbarkeiten auch weiterhin nicht zurück

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