Eine Lanze für (selbst) die (winzigste) gute Tat!

Wir alle kennen diese Tage. Diese Tage, die schon beim (oder kurz nach dem) Aufstehen keinerlei Zweifel daran lassen, das sie uns übelwollen. Das kann sich in Form eines gründlich gestoßenen kleinen Zehs zeigen oder indem wir in etwas hineintreten, das die Katze herausgewürgt und liebevoll an zugänglicher Stelle platziert hat – wobei an den besseren von den fiesen Tagen der betroffene Fuß immerhin einen Hausschuh trägt. Die Beispiele sind zahllos.

Nun passiert es mir ganz manchmal an solchen Tagen, dass sich etwas einmischt. Das sieht ungefähr so aus: Ich bin quasi schon seit dem Morgen konsequent dabei, den Tag in seiner Stimmung zu halten. Dauernd geht etwas schief und ich löse zusätzlichen Verdruss bei Mitmenschen aus. Lieber als alles Andere würde ich mich jetzt verkriechen wollen, habe jedoch noch bestimmte Kleinigkeiten zu erledigen, bevor mir das vergönnt ist. Und während ich in meinem Zustand die einzelnen Handlungen vielmehr unbewusst absolviere und nur hoffe, dass ich halbwegs unbeschadet mein sicheres Zuhause erreiche, dringt unvermutet Etwas oder Jemand in meine Routine ein und stiehlt mit winziger, scheinbar unbewusster Geste meine Gewissheit. Meine Gewissheit darüber, wie unschön dieser Tag sich mir gegenüber benimmt. Die Gewissheit, dass auch der Rest des Tages es nichts als böse mit mir meinen wird.
An einem derartigen Tag ist mir – ich war in eben beschriebener Stimmung und ziemlich gehetzt auf dem Heimweg – beim Aussteigen aus dem Bus mein geliebter Schal heruntergefallen, ohne dass es mir aufgefallen wäre.
Nun habe ich unterwegs  gewöhnlich Musik im Ohr, das heißt ich trage mittelgroße Kopfhörer und höre so nur das Nötigste. Auch auf Zurufe oder Pfiffe reagiere ich in der Regel lediglich, wenn diese in Verbindung mit meinem Namen auftreten.
Den gütigen Jungen, der hinter mir laut und mehrmals rief, hörte ich jedoch und drehte mich um. Mehr, weil ich wissen wollte, woher die Aufregung kommt und ob vielleicht jemand Hilfe braucht. Da wird mir mein Schal wedelnd hingehalten und Plopp! ist meine Blase geplatzt. Ich freue mich riesig, denn dies ist mein Lieblingsschal, der Eine, den ich sommers wie winters trage.
Es ist mir nun schlicht unmöglich, weiter an eine feindliche Haltung dieses Tages zu glauben, und ich bin so dankbar!

Der Rest des Tages verläuft wie die meisten im Leben, durchwachsen mit verspielten Tendenzen, aber ich nehme die Erkenntnis mit, dass ich entscheide. Ich entscheide, dass bzw. ob der hässliche Morgen in einen verdorbenen Tag übergehen darf. Mittlerweile bin ich sogar recht geübt darin, selber einen solchen Tag ‚umzudrehen‘, selber etwas unwiderstehlich Erfreuliches hineinzugeben.

Warum ich diesen Beitrag schreiben wollte:  Wir – und da bilde ich keine Ausnahme – entscheiden jeden Tag hundertmal, Kleinigkeiten für Mitmenschen zu tun oder zu unterlassen.. Die ältere Nachbarin grüßen und sich mit ihr zehn Minuten unterhalten oder etwas aufheben, das jemand verloren hat (und es zurückgeben). Das Lächeln eines Fremden erwidern oder einen Platz im Bus abtreten.
Dies ist mein Dank an alle, die eine kleine Tat als groß oder auch nur als selbstverständlich betrachten. Danke!

So süß können gute Taten aussehen
So süß können gute Taten aussehen

Und gleichzeitig möchte ich euch alle ermutigen, keine Tat als zu gering zu bewerten. Was mir winzig erscheint, kann einem anderen Menschen buchstäblich das Leben retten. Wir können nie ermessen, wieviel einem Menschen in (vielleicht seelischer) Not eine kleine Geste bedeuten kann, so unbedeutend sie uns auch erscheint.
Jeder gewinnt irgendetwas dazu, wenn ein Anderer sich ihm zuwendet, spart also nicht an eurem Zauber! Haltet jemandem die Tür auf, verschenkt den Einkaufswagen-Euro, bleibt zwei Minuten stehen und lauscht dem Straßenmusiker, schreibt eine Postkarte (auch wenn ihr gar nicht im Urlaub seid) und – jetzt kommt das fast Wichtigste – seid zu euch selbst lieb! Tut auch für euch die wertvollen Kleinigkeiten (mögen sie auch einen Extraschritt kosten – dafür tun sie soo wohl).

 

Und das nächste Mal, wenn ein Tag so gemein beginnt: lacht über den läppischen Versuch, derartig die Stimmung des Tages für euchfestlegen zu lassen. Dann setzt euch drei Minuten hin und atmet. Dann schaut nochmal nach, ob es wirklich nötig ist, diesen Tag zum Feind zu erklären.

In diesem Sinne: habt fantastische Tage!

 

Ich bin (Lebens)Künstlerin, zweifache Mama, im Herzen noch Kind, Assistentin für alles Mögliche sowie Beraterin in verschiedensten Lebenslagen, und das alles im zauberhaften Leipzig.
Das Leben fasziniert mich maßlos, bis ins kleinste Detail möchte ich es (er)leben, es kosten und auskosten, es intensiv ergründen. Immer interessiert mich brennend, wie die Dinge zusammenhängen, und welchen Einfluss ich selbst auf bestimmte Situationen habe.
Neuem gegenüber stets offen, begeistern mich oft selbst die unscheinbarsten Kleinigkeiten.
Und weil sich (mit)freuen – und manchmal –wundern – soo schön ist, schreibe ich Erlebtes und Gefundenes in diesem freundlichen Blog nieder.
Möge die geneigte Leserschaft ihr helles Vergnügen daran haben!

2 Antworten

  1. Es regnet wie aus Kannen.
    Die erste aller Tages-Pannen!
    denn:
    Die Tasche mit dem Essen
    steht im Garten – total vergessen!
    Dafür tut mir der große Zeh
    nun bereits seit Wochen weh!
    Der Nachbar bohrt und hämmert,
    ich fühle mich komplett behämmert.

    Dann aber las ich Lelias Prosa –
    der färbt den Tag mir langsam rosa!!!

  2. Leli, danke!
    Danke, dass Du das Geschenk, was Du beim Eintritt auf diese Erde mitgebracht hast, mit uns teilst und so auf ganz natürliche Weise mit Deinen Texten und Geschichten zum Austritt aus dem Hamsterrad eines meinst jedem hier mal eine Pause schenkst, wenn wir uns darauf einlassen.
    Ich freue mich schon auf das nächste Pausenbrot.

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