Mein kaputter Toaster

Vor ungefähr vier Monaten entfiel meinem Toaster von einem Moment auf den anderen, wie er die Taste unten halten muss, damit der Bräunungsvorgang weitergeht.
Ich bin ja allermeistens eher konstruktiv gelaunt, also benutzte ich den Toaster weiterhin und hielt eben besagte Taste selber fest, wenn und solange ich das Brot getoastet haben wollte.
Dazuerwähnt gehört vielleicht noch, dass ich den Toaster zum Zeitpunkt seines Pflichtvergessens noch gar nicht soo lange in Händen hatte. In der kurzen Zeit aber waren wir glücklich miteinander gewesen, ich jedenfalls war begeistert. Nicht zuletzt von seiner stattlichen Länge, weil ich kaum Toast esse, dafür aber sehr gern jedes beliebige Brot röste. Meine Suche nach einem passenden Modell hatte mehrere Monate gedauert, da ich viel lieber ein gebrauchtes als ein neues kaufen mochte.

Bei der nun manuellen Variante ging mir allerdings mit der Zeit die Geduld aus. Es liegt mir wenig bis gar nicht, irgendwo zu stehen und eine Taste zu halten, während ich eigentlich in der Zeit schonmal Käse schneiden oder Tee aufgießen könnte. Der Wunsch nach mehr als einer Scheibe Röstbrot zog also weitere Zwickmühlen nach sich.
So verbannte ich den Toaster schweren Herzens erst einmal in den Keller und setzte ihn auf meine was-auch-mal-noch-unbedingt-erledigt-werden-müsste-Liste. Dort verbrachte er auch den Jahreswechsel und ich kann nicht garantieren, dass er vor noch einem solchen gerettet worden wäre.

Dann jedoch griff das Universum ein, in Gestalt meines sehr lieben Freundes Harald Alfred Korb (dem es ganz und gar nicht missfällt, hier vollnamentlich erwähnt zu werden).
Dieser Schatz hatte kaum von meiner Toaster-Leiche im Keller erfahren, da bot er mir auch schon sein eigenes Gerät an. Besagtes stünde bei ihm seit Jahren neu und unbenutzt in Originalverpackung im Schrank und würde auf genau so eine Gelegenheit warten.
Doch so sehr mich das Angebot bezauberte, wollte ich aus oben genannten Gründen doch lieber (noch) nicht so leichtfertig auf meinen heißgeliebten Röster verzichten.
Von früheren Recherchen her wusste ich, dass es in meiner Stadt ein Repair-Café gibt. Das basiert auf dem Grundprinzip ‚Reparieren statt Wegwerfen‘ und dorthin kann zum Beispiel so ein kaputter Toaster getragen werden. Da finden sich dann liebe Menschen, die beratend und helfend bei versuchter Rettung des Gerätes zur Seite stehen.

Und weil der Weg zum ‚Cafe Kaputt‘ mir zu weit war und der Harald Alfred in dortiger Nähe wohnt, hat er den Toaster kurzerhand eingebeutelt und mitgenommen. Weitere zwei Wochen später dann hat er sich dorthin gefunden und dort mit viel fachkundiger Unterstützung geholfen, dem Toaster seine Tastenfesthaltefunktion wiederzugeben.
Mit seinem üblichen ausgelassenen Humor brachte mir der Harald Alfred nun vorgestern das Röstgerät zurück und erklärte mir fast schon beim Eintreten mit großer Eindringlichkeit die von nunan erforderliche Prozedur, die zum gerösteten Brote führe.
Nach wie vor bleibt nämlich – aufgrund eines Bauteils, dass wegen des Alters des Toasters wohl nicht mehr zu bekommen ist – die verflixte Taste nicht von allein unten. An der Vorderseite des Toasters finden sich zwei Knöpfe, Aufknusper- und Auftaufunktion. Drückt man nun die Taste an der Seite herunter und drückt vorm Loslassen auch noch einen dieser Beiden, bleibt die Taste unten! Hurra!
Ich muss mir also nur noch merken, dass der Aufknusper-Knopf eine ungefähr 80-sekündige Röstung auslöst (das heißt, ich kann zwischendurch die Küche verlassen), der Auftau-Knopf wiederum gleich mal eine ungefähr 6-minütige (muss ich also daneben stehen oder mich auf mein nicht immer perfektes Zeitgefühl verlassen). Da lässt sich doch aber mit arbeiten.

Funktionierender Toaster
Toaster
– nun nicht mehr kaputt

Ich bin jedenfalls heilfroh und finde es tragbar, bissel mitzudenken. Dafür kann ich endlich wieder Röstbrot auf Kommando haben.

An dieser Stelle sei hiermit ein öffentliches Riesen-Dankeschön an die Repair-Café-Leute ausgesprochen, weiter genau so!

Und weil Schönes und Nützliches unbedingt unterstützt gehört, helfen wir gern bei der Suche nach einem Repair-Café in Eurer Nähe. Vielleicht habt Ihr ja wie ich ein geliebtes Ding, das nicht mehr funktioniert. Dann schaut doch vielleicht (anstatt es gleich wegzuwerfen) lieber erstmal auf dieser Seite: Repair-Café-suchen – und gebt einfach Eure Stadt in das dortige Suchfeld ein. Schon wisst Ihr mehr.

Das Reparatur-Wissen ist übrigens für noch viel mehr als nur Elektro-Geräte verfügbar – falls das jemand fragen wollte.

Nachtrag (wenige Wochen später): Weil es mir so gefällt, erzähle ich hier noch, dass der Harald mittlerweile sozusagen ‚Stammgast‘ im hier ansässigen ‚Café Kaputt‘ ist. Er ist (fast) jede Woche einmal dort – und wird gern gesehen. Und er hat den Ehrenwerten Spitznamen ‚toaster man‘ verliehen bekommen; und um es auf die Spitze zu treiben, lässt ab und an auch noch defekte Geräte als Spende dort, so z.B. einen DVD-Recorder und einen Laptop, die – repariert – ja wieder irgendjemandem für eine lange Zeit gute Dienste leisten können. Toll!

Ich bin (Lebens)Künstlerin, zweifache Mama, im Herzen noch Kind, Assistentin für alles Mögliche sowie Beraterin in verschiedensten Lebenslagen, und das alles im zauberhaften Leipzig.
Das Leben fasziniert mich maßlos, bis ins kleinste Detail möchte ich es (er)leben, es kosten und auskosten, es intensiv ergründen. Immer interessiert mich brennend, wie die Dinge zusammenhängen, und welchen Einfluss ich selbst auf bestimmte Situationen habe.
Neuem gegenüber stets offen, begeistern mich oft selbst die unscheinbarsten Kleinigkeiten.
Und weil sich (mit)freuen – und manchmal –wundern – soo schön ist, schreibe ich Erlebtes und Gefundenes in diesem freundlichen Blog nieder.
Möge die geneigte Leserschaft ihr helles Vergnügen daran haben!