Neulich beim Zahnarzt

Eingetragen bei: Kuriositäten, Lelia, unsortiert | 0

Neulich beim Zahnarzt ergab sich wieder einmal eine dieser Situationen, die wohl jeder kennt: der Arzt und die assistierende Helferin haben je ein Instrument in meinem Mund und unterhalten sich über die Welt – vielleicht auch über Gott, in meiner Behandlungszeit jedenfalls war bisher eher von weltlichen Dingen die Rede.
Ich bin ja schon froh, wenn ich keine Fragen gefragt werde, die ich – wenn überhaupt – nur mit kaum übersetzbaren Lauten zu beantworten vermag. So folge ich dem aktuellen Gespräch über das Wetter und die Verkehrslage, um mir ein wenig Ablenkung zu gönnen.

Plötzlich klingelt es, die Assistentin verlässt das Zimmer, um nach kurzer Zeit zurückzukehren und kommentarlos ihre Arbeit wieder aufzunehmen.
Der Arzt fragt: „Wer war’n das?“
„Die Post.“, antwortet die Gefragte.
„Ein Paket?“ will der Arzt wissen.
„Nur ein kleines aber“ ist die Antwort.
Er schweigt konzentriert.
„Warten Sie auf was?“ fragt sie.
Er verneint gespielt gleichgültig.
Nach ein paar Sekunden stillen Werkelns sagt er halblaut: „Naja“.
Wieder eine Pause.
Entschlossen erzählt er dann doch: „Anja* hat sich eine Lederpflege hierher bestellt. Bei einem Fetisch-Versand, auf meinen Namen“.
Gerade hatte ich weder Spitzhacke noch Meißel im Mund und lasse „Das steht nicht außen auf dem Paket“ herausrutschen.
„Nein?“ fragt mich interessiert der Zahnarzt.
Ich bestätige durch Kopfschütteln (und bin stolz, dass ich ‚mitreden‘ durfte).
Die Assistentin steuert noch bei: „Der Postmann weiß es sowieso“, was den Arzt kurz überlegen lässt.
Dann sagt er, während er wieder zu werkeln beginnt: „Ach, ist mir doch egal, was irgendwer von mir denkt“, weiteres Werkeln. Erneutes Stutzen, dann: „Naja, so richtig egal ist es mir auch wieder nicht“.
Worauf er nochmal kurz überlegt, um sich dann wieder recht überzeugt für „Ach, was soll’s“ zu entscheiden.

Ich hatte so richtig Vergnügen am Geschehen. Ärzte sind halt auch Menschen, daran werde ich ganz gern erinnert. Und so offen spricht nicht jeder vor Fremden über Bedenken.
Außerdem war das einer der seltenen Fälle, wo eine Sitzung sogar bissel Freude gebracht hat. Das gibt’s nämlich auch.

 

* Helferin, Name von der Redaktion geändert

Ich bin (Lebens)Künstlerin, zweifache Mama, im Herzen noch Kind, Assistentin für alles Mögliche sowie Beraterin in verschiedensten Lebenslagen, und das alles im zauberhaften Leipzig.
Das Leben fasziniert mich maßlos, bis ins kleinste Detail möchte ich es (er)leben, es kosten und auskosten, es intensiv ergründen. Immer interessiert mich brennend, wie die Dinge zusammenhängen, und welchen Einfluss ich selbst auf bestimmte Situationen habe.
Neuem gegenüber stets offen, begeistern mich oft selbst die unscheinbarsten Kleinigkeiten.
Und weil sich (mit)freuen – und manchmal –wundern – soo schön ist, schreibe ich Erlebtes und Gefundenes in diesem freundlichen Blog nieder.
Möge die geneigte Leserschaft ihr helles Vergnügen daran haben!